Gemacht für den lokalen BestandDer Kreis 3 zieht sich vom Bahnhof Wiedikon bis an den Fuss des Uetlibergs, und der Bestand wechselt mit der Höhe. Unten, in Alt-Wiedikon um Idaplatz, Zurlindenstrasse und Zweierstrasse, stehen die Blockrandbauten der Jahrhundertwende mit Stuck, Parkett, Erkern und Balkonen zum Hof, ähnlich wie im Kreis 4, nur ruhiger, seit die Weststrasse vom Durchgangsverkehr befreit ist. Das Sihlfeld zwischen Badenerstrasse und Friedhof ist Genossenschaftsland, mit dem Bullingerplatz gleich um die Ecke: Höfe und Zeilen der 1920er- und 1930er-Jahre wie der Erismannhof, mit klaren Grundrissen, kleinen Küchen und grossen Innenhöfen, dazwischen Altbau am Friedhof Sihlfeld und Ersatzneubau, mit dem die Genossenschaften ihre Siedlungen seit zwanzig Jahren verdichten. Oberhalb der Schweighofstrasse beginnt der Friesenberg, die Gartenstadt der Familienheim-Genossenschaft mit Reihenhäusern, Gärten und Neubauten am Hang, und in der Binz haben Gewerbehallen Lofts und Ateliers Platz gemacht. Zum Kauf steht davon nur ein Bruchteil, denn Genossenschaftswohnungen werden nicht verkauft: Auf den Markt kommen die Altbauetagen in privater Hand, Eigentumswohnungen aus den Blocks der 1950er- bis 1970er-Jahre und der Neubau der letzten Jahre, oft lange bewohnt und genau so fotografiert. Die Schwächen im Bild sind typisch: Das Altbauzimmer wirkt mit dem Möbelbestand der letzten Jahrzehnte eng, der Nachkriegsblock mit Kunststoffboden und Vorhang nüchtern, der Neubau leer wie das Rendering nebenan. Digitales Entrümpeln gibt Parkett, Stuck und Balkontür ihren Platz zurück, danach richtet das Staging jeden Raum so ein, wie der Kreis 3 heute wohnt: kompakt und hell im Genossenschaftsschnitt, familiär im Reihenhaus am Friesenberg, offen im Neubau.
Warum es in Wiedikon funktioniertWiedikon ist der Kreis, in den Zürcher Familien ziehen, wenn der Kreis 4 zu laut und das Seefeld zu teuer wird: Doppelverdiener mit erstem Kind, Paare aus Genossenschaftswohnungen, die zum ersten Mal kaufen, dazu Käufer, die vom Idaplatz in zehn Tramminuten am Hauptbahnhof und in zwanzig Minuten mit dem Velo auf dem Uetliberg sein wollen. Weil vier von fünf Zürcher Haushalten zur Miete wohnen und ein grosser Teil des Kreises 3 den Genossenschaften gehört, ist Eigentum hier doppelt knapp; wer eine Altbauetage am Idaplatz oder ein Reihenhaus im Friesenberg inseriert, hat auf Homegate in den ersten Tagen mehr Anfragen als freie Besichtigungstermine. Die Quadratmeterpreise sind fünfstellig, liegen aber noch unter der Enge und dem Seefeld, und genau deshalb vergleichen die Käufer besonders genau: Ein Nachkriegsblock mit Kunststoffboden konkurriert im Inserat direkt mit dem Neubau nebenan und dessen Renderings, ein Altbau am Idaplatz mit dem sanierten Altbau drei Strassen weiter. Den Unterschied macht die Einrichtung im Bild. Eine Wohnküche mit Tisch für die Familie, ein Kinderzimmer, das als solches erkennbar ist, und ein Balkon mit Blick in den ruhigen Hof beantworten die Frage, die jede Familie im Kreis 3 stellt: Passt unser Leben hier hinein? Für die Erbengemeinschaft, die die Wohnung der Eltern verkauft, heisst das: früher inserieren, ohne vorher zu räumen, und den Verkauf mit der Präsentationsseite gegenüber allen Miterben belegen.
Stile, die sich in Wiedikon verkaufenSkandinavisch passt zum jungen, familiären Kreis 3 und zu den kompakten Grundrissen der Genossenschaftsbauten; Mid-Century Modern bringt die Blocks der 1930er-Jahre im Sihlfeld zum Leuchten, und rund um den Idaplatz darf ein Altbau Boho-Akzente tragen, solange die Ordnung bleibt.