Gemacht für den lokalen BestandDas Seefeld ist das alte Riesbach, und der Bestand erzählt davon: Zwischen Seefeldstrasse und Utoquai stehen die Blockrandbauten der Jahrhundertwende mit Stuck, Flügeltüren, Fischgratparkett und Erkern, an der Kreuzstrasse und in den Quergassen zum Kreuzplatz dichte Zeilen aus den 1890er- bis 1920er-Jahren, ergänzt um Ersatzneubauten und Aufstockungen mit Dachterrassen. Richtung Zürichhorn und Bellerivestrasse wird es villenhaft, mit Gärten zum See und Stockwerkeigentum in Häusern, die früher einer einzigen Familie gehörten; um den Bahnhof Tiefenbrunnen stehen die Neubauten der letzten zwanzig Jahre mit Lift, Tiefgarage und offenen Grundrissen. Das typische Problem sitzt im Grundriss des Blockrands: Die Zimmer zur Strasse haben Licht und Erker, die Räume zum Hof oder nach Norden bekommen nur einen Streifen davon, und auf Homegate sieht die Wohnung dann aus, als hätte sie drei helle Zimmer statt fünf. Dazu kommt, dass viele Etagen nach Jahrzehnten aus einer Hand auf den Markt kommen, fotografiert mit Schrankwand, Spannteppich und der Bibliothek der Grosseltern. Digitales Entrümpeln gibt Stuck und Parkett zuerst ihren Platz zurück, danach richtet das Staging jeden Raum massstäblich ein: hell und niedrig im Nordzimmer, damit die Wand und nicht das Möbel den Raum zeigt, grosszügiger am Utoquai, wo der See das Fenster füllt. Wände, Böden, Fenster und Perspektive bleiben exakt erhalten; sichtbar wird nur, wie man im Seefeld wohnt, wenn man es sich leisten kann.
Warum es im Seefeld funktioniertDas Seefeld liegt auf der Goldküstenseite des Sees, ein paar Tramminuten vom Paradeplatz, mit Opernhaus, Zürichhorn und Seebad Utoquai zu Fuss, und entsprechend ist die Nachfrage: Kader, die von Banken, Versicherungen und Tech-Firmen nach Zürich versetzt werden, Expat-Paare mit Kindern in der Nähe der internationalen Schulen, dazu Zürcher Doppelverdiener, die endlich vom Mieten ins Eigentum wechseln wollen. Weil in der Stadt kaum jeder zehnte Haushalt Eigentum besitzt und im Kreis 8 fast alles gehalten wird, kommt Stockwerkeigentum selten und oft leise auf den Markt; für eine gute Altbauetage mit Seeblick laufen innerhalb von Tagen Bieterrunden, und der Quadratmeterpreis liegt längst deutlich über 20'000 Franken. Trotzdem entscheidet auch hier die erste Bildstrecke: Wer aus London oder Singapur vergleicht, schaut die Inserate auf Homegate und ImmoScout24.ch abends am Laptop an und bucht die Besichtigung, oder den Flug, nur dann, wenn die Fotos die Frage nach dem Leben in der Wohnung schon beantworten. Ein leeres Zimmer mit Stuck sieht dabei aus wie jedes andere Zimmer mit Stuck; ein eingerichtetes Esszimmer mit Tisch für acht und ein Wohnzimmer, das den See vom Sofa aus zeigt, begründen den Preis, bevor jemand den Grundriss öffnet. Die Präsentationsseite pro Objekt, Original und eingerichtete Fassung nebeneinander, geht per Link an den Käufer im Ausland und an die Erbengemeinschaft, die den Verkauf mitträgt.
Stile, die sich im Seefeld verkaufenMinimalistisch mit warmen Weisstönen hält die Etagen am Utoquai ruhig genug, damit der See das Bild bestimmt; Mid-Century Modern passt zu Stuck und Fischgratparkett an der Kreuzstrasse, und Skandinavisch macht die Neubauwohnungen bei Tiefenbrunnen für Familien lesbar.